Wo das Vertrauen wohnt Forscher identifizieren Hirnregion, die Reaktionen anderer Menschen erkennt und kategorisiert
Amerikanische Neurologen haben entdeckt, wie und wo sich das Gefühl
des Vertrauens im Gehirn bemerkbar macht. Betroffen ist vor allem eine
Hirnregion mit dem Namen Nukleus Caudatus. Dort werden die Reaktionen
des Gegenübers bewertet, woraus entsprechend Vertrauen oder Misstrauen
folgt. Das haben amerikanische Forscher bei Untersuchungen an knapp 50
Probanden herausgefunden. Über ihre Ergebnisse berichten die
Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Science (Vol. 308, S. 78). Brooks King-Casas vom Baylor College of Medicine
in Houston (USA) und ihre Kollegen nutzten in ihrer Vertrauensstudie
ein experimentelles Spiel, bei dem sich zwei Personen am Computer
gegenseitig imaginäres Geld zuteilen. Die Menge des gegebenen Geldes
korreliert dabei mit dem Ausmaß des Vertrauens, das sich die Spieler
entgegenbringen. Während der gesamten Spielzeit überwachten die
Wissenschaftler das Gehirn der Spieler mithilfe der so genannten funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), mit der sich die Aktivität einer Gehirnregion sichtbar machen lässt.
Das Spiel, das die Forscher um King-Casas einsetzten, bestand aus
insgesamt zehn identischen Runden: Jede Runde begann damit, dass ein
Spieler, der "Investor", dem anderen einen bestimmten Geldbetrag
zwischen einem und zwanzig Dollar überließ. Nach einer kurzen
Bedenkzeit musste der andere Spieler, der "Treuhänder", die dreifache
Menge des ihm anvertrauten Betrages wiederum zwischen sich und dem
Investor aufteilen. Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt 48
Paare, deren Partner sich nicht kannten und auch während des Spieles
nicht sehen konnten. Störende äußere Einflüsse wie gegenseitige
Sympathie oder Antipathie waren damit ausgeschaltet.
Die Bilder zeigten, dass im Hirn vor allem der Nukleus Caudatus – auch
Schweif- oder Schwanzkern genannt – während des Vertrauensspiels aktiv
war. Dieser Gehirnbereich empfängt und verarbeitet offenbar
Informationen zum einen über die Fairness des Partners und damit seine
Vertrauenswürdigkeit. Zum anderen spiegelt sich in derselben Region
auch die eigene Absicht wider, der Reaktion des Spielpartners Vertrauen
oder kein Vertrauen entgegenzubringen.
Besonders entscheidend bei dem Spiel war die Reziprozität zwischen den
Spielern, erklären die Forscher. Unter Reziprozität verstehen Experten
die sehr verbreitete Verhaltensweise, demjenigen Gutes zu tun, der
einem selbst Gutes getan hat, und dem zu schaden, der einem Schaden
zugefügt hat. Die Forscher stellten nun fest, dass sich bei einer
Abweichung von dieser neutralen Reziprozität "Wie Du mir, so ich Dir"
vonseiten eines Spielers mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das
Vertrauen und damit die Reaktion des Gegenspielers änderte.
Ähnliche Experimente könnten hilfreich sein, hoffen die Forscher, wenn es um bestimmte schwere Verhaltensstörungen wie Schizophrenie oder Autismus geht. Auch die so genannte Borderline-Erkrankung,
bei der die Patienten unter anderem die Absichten des Gegenübers oft
falsch verstehen und sich rasch persönlich angegriffen fühlen, könnte
mithilfe derartiger Methoden möglicherweise bald besser verstanden
werden.
ddp/wissenschaft.de – Stefanie Offermann
Weitere Meldungen zum Thema - Vertrauen - finden Sie im Archiv von wissenschaft.de
ANZEIGE
Surftipps
netigator.de - das Fachportal für Computer und IT
Systemadministratoren und andere IT-Profis finden hier aktuelle
Fachartikel, Marktübersichten und Tipps. Die Fachredaktionen von
COMPUTER ZEITUNG, LanLine, Windows 2000 Magazin und NT-Administrator
stellen hierzu ihr ganzes Know-how zur Verfügung: www.netigator.de.